MELDUNGEN

17.11.2016
Diagnose Herzrhythmusstörung - Klinik-Experten informieren über tragbare Lebensretter
Harmloses Herzstolpern oder gefährliche Herzrhythmusstörung? Viele Betroffene sind sich unsicher, bei welchen Anzeichen sie zum Arzt gehen sollten. Beim vergangenen „Ratgeber Gesundheit“ im Klinikum St. Marien erfuhren sie jetzt vom Referenten und Kardiologen Oberarzt Thomas Hauser mehr über Symptome, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bei krankhaften Herzrhythmusstörungen. Den Themenabend leitete Prof. Dr. Andreas Luchner, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, ein.


Los ging es mit dem Aufbau des Herzens und einigen Fakten über den faustgroßen Muskel: In Ruhe zieht sich das menschliche Herz in einer Minute etwa 60- bis 100-mal zusammen und pumpt so über den Tag verteilt rund 7.000 Liter Blut durch den Körper. „Unsere natürlichen Schrittmacher, der sogenannte Sinus- und der AV-Knoten, erzeugen dabei elektrische Impulse, die dem Herz sagen, in welchem Rhythmus es schlagen soll“, so Oberarzt Thomas Hauser. Werden diese elektrischen Impulse fehlgeleitet, gerät das Herz aus dem Takt und arbeitet unkoordiniert, so dass weniger Blut in den Körper gepumpt wird. Was dann passiert, veranschaulichte der Kardiologe am Beispiel seines Hobbys, dem Rudern: „Alle im Boot richten sich an dem Schlagmann aus. Kommt dennoch einer aus dem Takt, gerät das ganze System aus dem Gleichgewicht. So ist es auch mit dem Herzen.“

 

Damit es erst gar nicht so weit kommt, sei es wichtig auf die Frühwarnsignale des Körpers zu achten: „Wenn das Herz zu schnell, zu langsam oder unkoordiniert schlägt, sprechen wir in der Medizin von Herzrhythmusstörung“, erklärte Thomas Hauser. Freude, Ärger, Stress oder körperliche Belastung könnten das Herz bereits aus dem Takt bringen. Das sei erst einmal nicht weiter besorgniserregend. „Alarmiert sein müssen Sie erst, wenn beispielsweise ohne erkennbaren Grund Herzrasen auftritt.“ Weitere Warnsignale seien Schwindelgefühl, ein plötzlicher Leistungsabfall, Luftnot oder Brustschmerzen. In diesem Fall sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen, um abklären zu lassen, ob es sich um eine harmlose oder eine gefährliche Herzrhythmusstörung handelt. „Im Klinikum haben wir unterschiedliche Diagnoseverfahren wie EKG, MRT oder Herzkatheterlabor, mit denen sich herausfinden lässt, ob beispielsweise ein verengtes Herzkranzgefäß, ein Herzklappenfehler oder eine Pumpschwäche die Störung auslöst“, sagte der Kardiologe. Auch sehr selten auftretende Rhythmusstörungen ließen sich dank des Ereignisrekorders abklären. Mithilfe eines kleinen operativen Eingriffs wird das Gerät mit der Größe eines USB-Sticks, in den Körper eingesetzt, wo es zwei bis drei Jahre lang Auffälligkeiten aufzeichnet. Ein weiteres Verfahren, dass auch im Klinikum Amberg regelmäßig zum Einsatz kommt ist die elektrophysiologische Untersuchung – kurz EPU – bei der spezielle Herzkatheter verwendet werden, mit deren Hilfe eine EKG direkt am Herzen durchgeführt werden kann. „Dabei positionieren wir mehrere Herzkatheter an bestimmten Stellen im Herzen und können so die Erregungsleitung genau nachvollziehen und Herzrhythmusstörungen präzise abklären“, erklärte Thomas Hauser.

 

Liegt eine gefährliche Herzrhythmusstörung vor, können Herzschrittmacher oder Defibrillator das Herz wieder in Gleichklang bringen. Doch welcher elektronische Taktgeber eignet sich für welchen Patienten? „Ist der Puls zu langsam, dann raten wir in der Regel zum Herzschrittmacher. Die Geräte bestehen aus zwei Teilen: einem Impulsgeber mit Elektronik und Batterie sowie ein bis drei Sonden im Herzen. Sie nehmen die Herzsignale auf und leiten sie zum Impulsgeber. Gerät das Herz aus dem Takt, sendet der Schrittmacher einen Elektrostimulus zum Herzen, damit es zur normalen Schlagfolge zurückkehrt“, erklärte der Oberarzt. Im Gegensatz zu einem Defibrillator bemerken Patienten diese Art der Stimulation nicht. Große Fortschritte wurden in den letzten Jahren auch auf dem Gebiet der „kabellosen Herzschrittmacher“ erzielt. Diese bieten aber nur für bestimmte Patientengruppen erkennbare Vorteile. Bei einer schweren Herzerkrankung, wie einer  Herzschwäche nach einem Herzinfarkt, setzen die Spezialisten des Klinikums auf den Defibrillator. Ebenso wie beim Schrittmacher wird eine Sonde in das Herz eingepflanzt, über die lebensbedrohliche Rhythmusstörungen erkannt und zuverlässig mithilfe eines Elektroschocks rhythmisiert werden.

 

Und wie sieht das Leben mit Herzschrittmacher oder Defibrillator aus? Darf man noch mit dem Handy telefonieren? Kann man sorgenfrei die nächste Flugreise antreten? „Wer bestimmte Regeln beachtet, kann sein bisheriges Leben fast ohne Einschränkungen weiterführen“, beruhigte Prof. Dr. Andreas Luchner. Da die Geräte der neuesten Generation sogar Kernspin-tauglich sind, sind damit inzwischen selbst MRT-Untersuchung der meisten Körperregionen möglich. Seine Tipps: Elektromagnetische Felder meiden, Handy nicht in der Brusttasche aufbewahren und auf Körperfettwaagen und elektrische Heizkissen verzichten. Dann ist auch mit Defibrillator und Schrittmacher ein ganz normales Alltagsleben mit Reisen möglich.


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