MELDUNGEN

15.09.2010
Schmerztherapie nach Operationen – ein Muss für alle Disziplinen
„Die Vermeidung und Behandlung von Schmerzen nach Operationen ist uns ein besonderes Anliegen. Schmerzen nach Operationen müssen nicht schlimm sein!“ so Boris Sokolow, Oberarzt der Klinik für Anästhesie am Klinikum St. Marien. Patienten haben nach Operationen einen Anspruch auf Schmerztherapie, denn bei jedem Eingriff verletzt der Arzt Gewebe, das erst wieder heilen muss. Beide aber, Verletzung wie Heilung, setzen schmerzauslösende Botenstoffe in der Wunde frei.

Viele Patienten haben mehr Angst vor Operationsschmerzen als vor der Operation selbst. Sie räumen der ausreichenden Schmerzlinderung einen sehr hohen Stellenwert ein. Regelmäßige, dokumentierte Messungen der subjektiv empfundenen Schmerzstärke finden aber nur in wenigen Kliniken regelmäßig statt, obwohl dies eine unverzichtbare Voraussetzung für eine individuell optimal angepasste Schmerztherapie ist.

Im Klinikum St. Marien wurde bereits im Jahr 1996 in der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin eine strukturierte postoperative Schmerztherapie unter Federführung von Oberarzt Boris Sokolow eingeführt. Damit leistete die Klinik in der damaligen Zeit Pionierarbeit in Deutschland. Heute ist die postoperative Schmerztherapie im Klinikum in Leitlinien und Standards festgeschrieben, die für jede operative Station nach den speziellen Bedürfnissen des Fachgebiets mit allen Beteiligten gemeinsam entwickelt wurden.

Das wichtigste Ziel für eine Behandlung der Schmerzen nach der Operation ist die deutliche Besserung der Lebensqualität. Gute Schmerztherapie hat aber weitere positive Effekte auf den Krankheitsverlauf. So kann ein schmerzfreier Patient früher aufstehen oder zumindest bewegt („mobilisiert“) werden. Das fördert den Erfolg der Operation und bannt die durch langes Liegen erhöhte Gefahr einer Thrombose. Schmerzfreiheit senkt auch die Stresshormone, die die Immunabwehr schwächen, und verringert damit indirekt die Infektionsgefahr.

Die Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin unter der Leitung von Chefarzt Privatdozent Dr. Wolfgang Funk betreut Patienten nach großen und auch nach besonders schmerzintensiven kleineren Eingriffen durch einen speziellen Schmerzarzt, der mindestens zweimal täglich die Stationen besucht. Allerdings braucht nicht jeder Patient eine hochdifferenzierte Schmerztherapie. Daher wird das beste Vorgehen im Anästhesiegespräch nach den speziellen Erfordernissen des Eingriffs und den Vorstellungen des Betroffenen festgelegt.
Überschreiten die Schmerzen unvorhergesehen die individuell tolerable Schwelle, stehen die Anästhesisten den Patienten während des gesamten Aufenthalts auf Abruf mit Rat und Tat zur Seite. Ziel der Schmerztherapie ist immer, die Schmerzen auf ein gut erträgliches Maß zu reduzieren. Völlige Schmerzfreiheit ist nur mit sehr hohen Medikamentenmengen zu erreichen, die dann die Gefahr von schweren Nebenwirkungen in sich tragen.

Die postoperative Schmerztherapie im Klinikum ruht hauptsächlich auf den nachfolgenden Säulen:

PCA-Pumpe
Die Patienten-Controllierte Analgesie (PCA) ist eine der effektivsten Methoden zur Behandlung von Schmerzen nach der Operation. Bei diesem Prinzip kann der Patient die Dosis und den Zeitpunkt der Gabe eines vom Arzt festgelegten starken Schmerzmittels, in der Regel eines Opiats, innerhalb bestimmter Grenzen auf seinen tatsächlichen Bedarf abstimmen. Die Pumpe verfügt über eine Sicherheitvorrichtung, die individuell für den jeweiligen Patienten so programmiert wird, dass bei bester Schmerzbehandlung Überdosierungen ausgeschlossen sind.

Darüber hinaus sorgen zweimal tägliche Visiten und Kontrollen des Anästhesisten und des Pflegepersonals für ein Höchstmaß an Sicherheit.

Regionalanästhesie
Eine Regionalanästhesie verhindert die Schmerzwahrnehmung aus einer ganzen Körperregion. Dazu platziert man bereits im Operationssaal einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) durch eine Spezialnadel in der Nähe des zu dieser Region führenden Nervs. Über den Katheter kann später mittels einer Medikamentenpumpe ein örtliches Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) kontinuierlich an den Nerv gebracht und so über einen beliebig langen Zeitraum praktisch Schmerzfreiheit erzielt werden.

Dies hat den Vorteil, dass keine Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Übelkeit auftreten, die sonst manchmal durch die Gabe von Schmerzmitteln über den Blutkreislauf auftreten können.
Folgende Regionalanästhesieverfahren eignen sich hierfür:
  • Periduralanästhesie
  • Anästhesie eines Nervengeflechts (Plexusanästhesie)
  • Blockaden einzelner Nerven

Die Periduralanästhesie ist eine rückenmarksnahe Anästhesieform, die eine gürtelförmige Betäubung mehrerer Körpersegmente bewirkt. Sie wird häufig zur Erleichterung des Geburtsschmerzes eingesetzt.

Der Erfolg dieser gezielten, aber etwas aufwendigeren Schmerztherapie lässt sich im Klinikum deutlich anhand der stetig zunehmenden Zahl versorgter Patienten und ihrer Zufriedenheit ablesen. Die Zahl ist von rund 200 Patienten im Jahr 1999 auf über 1200 im Jahr 2009 gestiegen.
Die Zufriedenheit ergibt sich aus den Schmerzprotokollen, die eigens fürs Klinikum von Oberarzt Boris Sokolow entwickelt wurden. Sie werden inzwischen elektronisch erfasst. Hier werden wichtige Parameter wie der Medikamentenverbrauch, Nebenwirkungen, das subjektive Schmerzempfinden des Patienten sowie seine Zufriedenheit mit der Therapie erfasst. 94 Prozent der Patienten beurteilen die Schmerztherapie als gut bis sehr gut.

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