SEKTION FÜR KINDERORTHOPÄDIE

Sportorthopädie im Kindes- und Jugendalter

Bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum ändern sich ständig Proportionen, Kraft- und Hebelverhältnisse. Insbesondere im Leistungssport führt das zu großen Veränderungen der Belastung von Knochen, Muskeln, Gelenken und Weichteilen.

 

Die Sportorthopädie im Wachstumsalter beschäftigt sich einerseits mit der Vorsorge, also dem Erkennen von Risikofaktoren bei LeistungssportlerInnen und andererseits mit der Behandlung von sportbedingten akuten und chronischen Verletzungen.
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den KollegInnen der Kinderheilkunde und der (Erwachsenen-)Unfallchirurgie und Orthopädie ist dabei eine wesentliche Voraussetzung.

 

Im Folgenden sollen einige typische sportbedingte Verletzungen dargestellt werden:

 

  •  Chronische Gelenkinstabilität

Am häufigsten betroffen ist das Sprunggelenk, das infolge wiederholter Umknick-Verletzungen eine dauerhafte Schädigung des Bandapparates erleiden kann. Solche Situationen können jedoch auch an Knie- oder Ellenbogengelenk vorkommen.

 

  • Patellaluxation (Ausrenken der Kniescheibe)

Die Patellaluxation tritt zwar häufig zum ersten Mal beim Sport auf, ist aber nicht eine reine Folge der sportlichen Belastung. In der Regel liegen sog. prädisponierende (also begünstigende) Faktoren vor. Dazu gehören
o ein lockerer Bandapparat
o eine Coxa antetorta
o ein Genu valgum
o eine Abflachung der Rinne des Oberschenkels, in der die Kniescheibe geführt wird (Trochleadysplasie)
o ein ungünstiger Verlauf der Patellasehne

 

Während die Behandlung der ersten Patellaluxation in der Regel (außer es gibt einen zusätzlichen Knorpelschaden) konservativ ist und mit einer Knieschiene und Krankengymnastik behandelt wird, erfordern wiederholte Ausrenkungen operative Maßnahmen, die sich nach den begünstigenden Faktoren richten. Dieses Vorgehen wird oft als Operation „à la carte" bezeichnet.

 

  • Osteochondrosis dissecans

Hierbei handelt es sich um eine Durchblutungsstörung des Gelenkknorpels unbekannten Ursprungs. Häufig ist das Knie- oder das Sprunggelenk betroffen. Eine hohe Belastung der Gelenke scheint eine Rolle bei der Entstehung der Durchblutungsstörung zu spielen, was sich auch darin zeigt, dass v.a. sportlich aktive Kinder und Jugendliche betroffen sind.
Umso ernüchternder ist für die Patientinnen zu erfahren, dass die wesentliche Therapie ein mehrmonatiges Sportverbot ist. Je nach Verlauf und Ausprägung sind operative Maßnahmen, häufig minimal-invasiv, notwendig.

 

  • Kreuzband- und Meniskusverletzungen

Erfreulicherweise kommen diese Verletzungen im Wachstumsalter sehr selten vor. Falls doch, so ist eine gute Kenntnis der Prognose in diesem jungen Alter erforderlich, um die individuelle Therapie zu planen.