MELDUNGEN

01.08.2018
So viel wie nötig, so wenig wie möglich: „Ratgeber Gesundheit“ zur modernen Brustkrebsbehandlung
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau an Brustkrebs stirbt? Diese Frage hat Prof. Dr. Anton Scharl, der Direktor der Frauenkliniken in Amberg, Tirschenreuth und Weiden, den Besuchern des „Ratgebers Gesundheit“ am Klinikum St. Marien Amberg gestellt. Ihre Schätzung: 30 Prozent. Die Antwort des Experten: „Tatsächlich sterben nur drei Prozent der Frauen an Brustkrebs.“ Ein Grund dafür: Die Behandlung wird immer besser.

„Wir verstehen zunehmend, wie sich Krebs entwickelt und wo er seine Schwachstellen hat“, so Prof. Dr. Scharl. „Und mittlerweile wissen wir auch: Weniger ist oft mehr. Manchmal reicht weniger Behandlung, um die gleichen Heilungschancen zu haben.“ Denn sowohl die Medikamente als auch die Strahlentherapie sind in den vergangenen Jahren immer individueller geworden. Um zu bestimmen, wie viel und welche Therapie notwendig ist, müssen die Ärzte beispielsweise individuelle Faktoren wie das Alter, Nebenerkrankungen oder die persönlichen Wünsche des betroffenen Patienten berücksichtigen. „Und natürlich schauen wir uns auch an, welche Art von Tumor vorliegt, wie groß er ist oder wo er sich genau befindet“, fügt Dr. Matthias Hipp, Chefarzt der Strahlentherapie, hinzu. „Das Wichtigste bei der Behandlung von Krebs ist aber, dass nicht eine Person allein über die Therapie entscheidet. Dafür haben wir im zertifizierten Brustzentrum St. Marien Amberg die Interdisziplinäre Tumorkonferenz.“ So eine Konferenz gibt es an allen zertifizierten Krebszentren, die regelmäßig von der Deutschen Krebsgesellschaft, kurz DKG, auf ihre Qualität hin überprüft werden. In den Konferenzen berät eine Gruppe von Spezialisten, welche Therapie die beste für den jeweiligen Patienten ist. „Da gehört der Gynäkologe genauso dazu wie der Radiologe, der Onkologe oder der Strahlentherapeut“, schildert Dr. Hipp. „Nur gemeinsam können wir unseren Patienten eine optimale Therapie-Empfehlung geben. Generell kann man sagen: Je aggressiver die Erkrankung, umso mehr Therapie müssen wir ihr entgegensetzen.“

Für die Behandlung von Brustkrebs gibt es sogenannte Leitlinien. „Das ist ein Regelwerk der DKG“, erklärt Prof. Dr. Scharl. „Man muss sich das vorstellen wie eine Autobahn: Die Leitlinien sind die Straßen. Sie erlauben es uns, mal abzubiegen oder auf die Überholspur zu wechseln, aber wir fahren nie ins Gelände, wir bleiben immer auf der Straße. Die AOK hat schon vor Jahren festgestellt, dass Patienten, die in Zentren nach den Leitlinien behandelt werden, nachweislich bessere Überlebenschancen haben.“

Heutzutage wird bei der Behandlung von Brustkrebs nicht immer gleich zum Skalpell gegriffen. „Es reicht nicht, wenn man den Krebs einfach wegschneidet“, so Prof. Dr. Scharl. „Und in vielen Fällen ist es besser, schon vor der Operation mit Medikamenten zu behandeln oder zu bestrahlen, damit der Tumor kleiner wird – so können wir Gynäkologen anschließend brusterhaltend operieren. Denn auch das kosmetische Ergebnis der Behandlung ist für unsere Patientinnen extrem wichtig.“ Auch Bestrahlungen während einer Brustkrebsoperation sind mittlerweile möglich. „Das nennt sich IORT: Intra-operative Radio-Therapie. Dabei wird die Patientin während der Operation direkt in der Brust bestrahlt. Das ist eine sehr effiziente und vor allem schonende Methode. Die Reichweite der Bestrahlung ist nur etwa zwei Zentimeter. In der Tiefe kommt nichts mehr an. Das ist eines der herzschonendsten Verfahren, die im Moment zur Verfügung stehen.“ Ziel ist es, die Behandlungsmethoden immer weiter zu verbessern und die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten. Damit die Patienten mit den modernsten Verfahren behandelt werden können, nimmt das Amberger Klinikum auch immer wieder an großen Studien teil.

„Wichtig bei der Behandlung von Krebs ist es, den ganzen Menschen zu behandeln und nicht nur die Erkrankung“, betont Prof. Dr. Scharl. „Deshalb bauen wir am Klinikum St. Marien Amberg gerade die ‚Integrative Onkologie‘ auf: Hier fließen Aspekte wie Bewegung, Ernährung oder Entspannung in die Therapie mit ein. Denn wir wissen, dass auch diese Faktoren wichtig für die Heilung sind. Deshalb ist das Ziel, alles, was für den Patienten gut ist, in die Therapie mit einzubauen.“

Das Fazit des Abends: „Brustkrebs ist individuell, so wie die betroffenen Menschen“, so Dr. Hipp. „Deshalb ist es unsere Aufgabe als Ärzte, die Werkzeuge, die uns für die Behandlung zur Verfügung stehen, individuell auszuwählen, um das bestmögliche Therapieergebnis mit möglichst schonenden Mitteln zu erreichen.“ Und Prof. Dr. Scharl fügt an: „Wir wägen im Experten-Team immer individuell ab, welche Methode die richtige für die jeweilige Situation ist. Nur so bekommt der Patient die bestmögliche Behandlung.“


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